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Lösen Studien nach Facebook-Standard GCP ab?

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Wenn man sich der eng regulierten Welt der Healthcare-Kommunikation befindet, reibt man sich verwundert die Augen, welche Wildwest-Manieren in der Welt der Social-Community-Wirtschaft offenbar der Normalzustand sind.

Eine wissenschaftliche Studie ist in der Medizin (völlig zu Recht) in jeder Stufe der likeAusführung definiert und einem klaren Reglement unterworfen. Das erste Ziel ist der Schutz von Probanden und Patienten, dann erst folgt der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn. Der Bericht einer „verdeckten, un-gefragten“ Studie mit 690.000 Facebook-Usern, davon 310.00 in der Verum-Gruppe  ist deshalb schon aus diesem Sichtwinkel mindestens haarsträubend. Tatsächlich ist dieses Geschäftsgebaren kriminell.

Facebook verdient sein Geld mit Werbung von Unternehmen, denen Facebook seine User-Community verkauft. Der Reiz und der Erfolg von Facebook bestand/besteht für seine Nutzer in der Komponente, soziale Verbindungen aufrecht zu erhalten, wiederzubeleben, neu zu generieren, zu verwalten. Vornehmlich virtuell, aber eben auch in der Wirklichkeit.

Facebook stellt diese Social-Community für den User kostenlos zu Verfügung. Facebook User sind keine Kunden, im Gegensatz z.B. zu Xing – dort kostet eine Premium-Mitgliedschaft.  Auf dieser „Geschäftsgrundlage“ hat sich Facebook immer das Recht herausgenommen, die Regeln der Plattform stetig zu verändern. Mit welchem Ziel? Fotolia_29774524_XS Natürlich um seine Geschäftsgrundlage, die User-Community an die werbenden Unternehmen zu verkaufen,  zu verbessern. Denn nichts liebt das Marketing mehr, als seiner potentiellen Zielgruppe möglichst nahe zu kommen. Werbe-Streuverluste vermeiden ist das Ziel.

Dass nun bekannt wird, dass Facebook mit nahezu 690.000 Usern experimentiert hat – ungefragt – passt in die Firmenphilosophie und überrascht nicht. Die User wurden noch nie wirklich gefragt. Es wurde und wird nur soviel mitgeteilt, wie gerade nötig, um die Community (hier die die Herde) bei der Stange zu halten.

Wenn ein ernsthafter Wettbewerber aufsteigt – Whats-App – wird dieser aufgekauft. Eine zwingende gesetzliche Regulation – also der politisch umgesetzt Wille, einer Gemeinschaft zu sagen, was geht und was nicht geht – findet bisher nicht statt. Es bleibt zu hoffen, dass die/das  neue EU-Kommission/Parlament dem endlich entgegensteuert. Dass Facebook seinen Firmensitz in den USA hat und sich damit EU- bzw. deutschen Gesetzen entzieht, kann kaum einer ernsten Prüfung standhalten.

Welches Pharma-Unternehmen kann sich dem HWG, GCP oder GMP entziehen, nur wegen seines Firmensitzes außer Landes? Im Gegenteil: Dass die FDA/EMA Inspektionen außerhalb der USA/Europa durchführen, ist normal und richtig. Wer in der EU ein Online-Geschäft betreibt, muss einen Firmensitz in der EU nachweisen. Ich rate zu der Einführung eines „Informationsbeauftragten“ mit persönlicher Haftung.  Das hat sich in der Healthcare Industrie bewährt.

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