5. Hauptstadt-Symposium: Schilddrüsenfunktionsstörungen in verschiedenen Lebensabschnitten

Thema: Schilddrüsen-Erkrankungen
Kategorie: Fachpresse
Veröffentlicht am: Dienstag, 6. November 2007
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Bei Rheuma-Patienten Schilddrüsenfunktion prüfen:
Therapie der Hypothyreose kann rheumatische Beschwerden verbessern


Berlin. „Bei rheumatischen Erkrankungen sollte differentialdiagnostisch auch eine Immunerkrankung der Schilddrüse berücksichtigt werden“, forderte Professor Karl-Michael Derwahl, Berlin, beim fünften Schilddrüsensymposium am 3. November 2007. Dies treffe insbesondere auf das Sjögren’s-Syndrom zu, bei dem bei bis zu einem Drittel der Patienten eine Autoimmunthyreoiditis zu finden sei. Die Entwicklung einer Hypothyreose führe bei rheumatischen Erkrankungen zu einer Verschlechterung der Rheuma-Symptomatik, die sich unter einer Levothyroxin-Therapie (z.B. mit Euthyrox) wieder bessere. Bei Rheuma-Patienten sei daher in der Praxis bei Zunahme der Schmerzsymptomatik auch an eine Entwicklung oder Verschlechterung einer Hypothyreose zu denken.

Eine Autoimmunthyreoiditis ist verglichen mit der Prävalenz in der Bevölkerung bei rheumatologischen Erkrankungen drei- bis fünfmal häufiger. Viele Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, allgemeines Krankheitsgefühl und depressive Verstimmungen sind sowohl bei rheumatologischen Krankheiten als auch bei einer Hypothyreose nachweisbar. Bei der rheumatoiden Arthritis ließ sich zeigen, so Derwahl, dass eine Hypothyreose zu einer Verstärkung der Schmerzsymptomatik führe und eine Schilddrüsenhormonsubstitution zu einer Besserung beitrage. Gerade bei älteren Menschen sei es nicht immer einfach, Schilddrüsenfunktionsstörungen zu erkennen. Die Beschwerden könnten typischen Alterungserscheinungen ähneln, durch Medikamente überdeckt sein oder sich mit den Symptomen anderer Krankheiten überschneiden. Daher empfiehlt Derwahl, bei Rheuma-Patienten grundsätzlich die Schilddrüsenfunktion mittels TSH-Test zu überprüfen. Die TSH-Bestimmung liefere hier ein zuverlässiges Ergebnis.

Bei rheumatologischen Patienten lassen sich, so Derwahl weiter, auch überdurchschnittlich häufig Schilddrüsen-Autoantikörper nachweisen. So berichteten Bazzichi et al. 2007, dass bei mehr als 40 Prozent der Patienten mit Fibromyalgie TPO- und/oder Thyreoglobulin-Autoantikörper positiv waren. Besonders ausgeprägt sei die Symptomatik der Fibromyalgie bei postmenopausalen Frauen, bei denen auch Depressionen und Autoimmunerkrankungen häufiger sind. In dieser Patientengruppe sei die Autoimmunthyreoiditis ein Marker für den Schweregrad der Fibromyalgie (Bazzichi et al. 2007). Bei gleichzeitigem Auftreten einer Hypothyreose und einer Fibromyalgie werde unter Schilddrüsenhormontherapie (z.B. Euthyrox) über eine vollständige Rückbildung der rheumatischen Symptomatik berichtet.

Auch bei Frauen mit einem Sjögren’s-Syndrom sollte laut Derwahl die Schilddrüsenfunktion geprüft werden. Bei einem Drittel aller Patienten mit einem primären Sjögren’s-Syndrom finde sich eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Im Gegensatz zu den anderen rheumatischen Erkrankungen, die meist mit einer euthyreoten Hashimoto-Thyreoiditis assoziiert sind, sei beim Sjögren’s-Syndrom häufiger eine subklinische oder manifeste Hypothyreose zu beobachten. Auch Patienten mit einem systemischen Lupus erythematodes (SLE) sollten auf das Vorliegen einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse untersucht werden, zumal die Symptome einer Hypothyreose den behandlungsbedingten Nebenwirkungen eines SLE sehr ähnlich sein könnten. Wenn zusätzlich zum SLE noch ein Sjögren’s-Syndrom vorliege, sei die Überprüfung der Schilddrüsenfunktion noch wichtiger. Bei diesen Patienten empfiehlt Derwahl darüber hinaus auch den Schilddrüsen-Status naher Verwandter zu überprüfen.

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