Substratreduktionstherapie mit Miglustat: Aktuelle Erkenntnisse zur Therapie von Morbus Gaucher

Thema: Textarchiv - Fettspeicherkrankheiten
Kategorie: Fachpresse
Veröffentlicht am: Mittwoch, 27. September 2006
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Freiburg – September 2006 – Die Substratreduktionstherapie (SRT) mit Miglustat(Zavesca®) bietet innovative Therapiemöglichkeiten zur Behandlung von Patienten, die an der nicht-neuropathischen Form der häufigsten lysosomalen Speichererkrankung, Morbus Gaucher, erkrankt sind. Mehrere klinische Studien belegen die Wirksamkeit von Miglustat. „Unter der SRT kam es zur Rückbildung von Leber- und Milzvolumina, Verbesserung des Blutbildes und Zunahme der Fettfraktion des Knochenmarkes“, erklärte Prof. Michael Beck, Mainz, anlässlich eines Satellitensymposiums der Actelion Pharmaceuticals Deutschland GmbH am 16. September 2006 während der 102. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in Mainz. Unter der Leitung von Prof. Beck referierten und diskutierten internationale Experten aktuelle Erkenntnisse zur Therapie lysosomaler Speichererkrankungen.

Die SRT wurde Anfang 2003 eingeführt. Während bei der Enzymersatztherapie (ERT) die gespeicherten Glukozerebroside abgebaut werden, verfolgt die SRT das Ziel, durch die Hemmung von Glukosylzeramid-Synthase die Synthese der bei der Gaucher-Krankheit gespeicherten Glukozerebroside zu reduzieren. Damit steht für die Behandlung erwachsener Patienten mit leichten bis mittelschweren Verlaufsormen der nicht-neuropathischen Form der Gaucher-Krankheit, für die eine ERT nicht in Frage kommt, eine wirksame und gut verträgliche orale Alternative zur Verfügung.

Klinische Wirksamkeit von Miglustat

Mehrere klinische Studien belegen die Wirksamkeit von Miglustat bei der nicht-neuropathischen Form des M. Gaucher (Cox 2000; Elstein 2004; Heitner 2002; Pastores 2005). Bei den primären Studienendpunkten (Leber- und Milzvolumen, Chitriosidase-Aktivität, Thrombozytenzahl und Hämoglobin- Werte) wurden signifikante Verbesserungen erreicht. Auch in der Langzeittherapie wurden keine relevanten sekundären Effekte festgestellt.

Miglustat bei Knochenmanifestationen

Knochenmanifestationen zählen zu den schwersten und am wenigsten untersuchten Langzeitkomplikationen bei M. Gaucher. Sie treten bei etwa 75 Prozent aller Gaucher-Patienten auf und können zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen (Germain 2004). Der Mineralsalzgehalt der Knochen von Gaucher-Patienten ist signifikant niedriger im Vergleich zu Gesunden. Dies führt zu einem um 20 Prozent erhöhten Frakturrisiko (Wenstrup 2002, Pastores 2004). Schmerzhafte Knochenbeteiligungen können mit der bislang als Standardtherapie angewandten ERT häufig nicht zufriedenstellend therapiert werden. Die therapeutische Erfahrung zeigt, dass die ERT die Progression der Knochenkomplikationen nicht immer aufhalten kann (Poll 2002). Bei zwei Gaucher-Patienten, die über einen Zeitraum von drei Jahren mit Miglustat behandelt wurden, wurde eine signifikante Verbesserung der Knochenstruktur festgestellt (Elstein 2004; Hollak 2004). Aufgrund der guten Gewebegängigkeit von Miglustat kann daher möglicherweise zukünftig auch Gaucher-Patienten mit Knochenkomplikationen geholfen werden.

Neurologische Beteiligung bei lysosomalen Speicherkrankheiten

„Pathologische Blickfolgebewegungen, insbesondere Sakkadenstörungen, sind frühe und sensitive Zeichen einer neurologischen Beteiligung bei lysosomalen Speicherkrankheiten wie M. Gaucher und Morbus Niemann-Pick C“, erklärte Dr. Eugen Mengel, Mainz.
Während bei M. Gaucher anfänglich die horizontale Sakkadenstörung zu beobachten sei, trete eine vertikale Störung erst im Spätstadium auf. Im Gegensatz dazu sei bei juvenilen Verlaufsformen des Morbus Niemann-Pick C bei Diagnosestellung eine vertikale Blickparese bereits manifest. Horizontale Sakkadenstörungen folgen im Krankheitsverlauf.

Untersuchungen der Blickfolgebewegung eigneten sich somit zum einen, eine neurologische Beteiligung festzustellen. Zum anderen könne eine Progression der neurologischen Beteiligung objektiviert werden, resümmierte der Experte.

BALANCE Award

Die Auslobung des BALANCE Awards 2007 wurde durch den Vorsitzenden Prof. Dr. M. Beck bekannt gegeben.
Mit dem BALANCE-Award schreibt Actelion Pharmaceutical Deutschand GmbH erstmals einen mit 30.000 € dotierten Forschungspreis für ein prospektiv ausgerichtetes wissenschaftliches Projekt aus, das sich mit experimentellen oder klinischen Fragestellungen der Gaucher-Erkrankung befasst. Die Ausschreibung richtet sich an WissenschaftlerInnen, die in Deutschland tätig sind.
Die eingereichten Projekte werden in anonymisierter Form von einer Experten-Jury bewertet, die Unter der Leitung von Prof. Dr. M. Beck arbeiten wird.

Die Bewerbungen sind bis 31.12.2006 an

Actelion Pharmaceuticals GmbH
Basler Straße 65
79100 Freiburg

zu richten. Weitere Informationen: www.actelion.de

Morbus Gaucher
Die autosomal-rezessiv vererbte Lipidspeicherkrankheit (Sphingolipidose) Morbus Gaucher wird durch einen Mangel des Enzyms Glukozerebrosidase verursacht. Dadurch reichern sich die nicht abgebauten Fettstoffe in den Makrophagen an, die mit zunehmender Speicherung zu dicken so genannten Gaucher-Speicherzellen anschwellen. Diese Zellen sammeln sich in verschiedenen Organen an und führen dadurch zum charakteristischen klinischen Erscheinungsbild der Krankheit. Dazu zählen eine starke Vergrößerung von Milz und Leber, Veränderungen im Knochenmark und der Knochenstruktur sowie Blutarmut. Die Folge sind leichte bis schwere, z. T. lebensbedrohliche Symptome, die ab der Kindheit bis ins hohe Lebensalter auftreten können Bei der neuropathischen Verlaufsform des M. Gaucher kommt es zusätzlich zu einer Funktionsstörung des ZNS. Weltweit sind schätzungsweise etwa 20.000 bis 30.000 Menschen an M. Gaucher erkrankt und nur ein geringer Teil der Betroffenen wird behandelt. Mehr als 95 Prozent aller Gaucher-Patienten sind von der nicht-neuropathischen Form betroffen.

Actelion Ltd
Actelion Ltd ist ein biopharmazeutisches Unternehmen mit Hauptsitz in Allschwil/Basel, Schweiz. Actelions erstes Medikament, Tracleer®, ist ein zur Therapie der pulmonalen arteriellen Hypertonie zugelassener dualer Endothelin-Rezeptor-Antagonist in Tablettenform. Actelion vertreibt Tracleer® durch eigene Niederlassungen in den wichtigsten internationalen Märkten, so den Vereinigten Staaten, der Europäischen Union, Japan, Kanada, Australien und der Schweiz. Actelion, gegründet im Jahre 1997, ist ein weltweit führendes Unternehmen bei der Erforschung des Endothels. Das Endothel trennt die Gefässwand vom Blutstrom. Actelion konzentriert sich darauf, innovative Medikamente in Bereichen mit hohem medizinischem Bedarf zu entdecken, zu entwickeln und zu vermarkten. Actelion Aktien sind am SWX Swiss Exchange notiert (Symbol: ATLN).

Literatur:
Cox T et al.; Lancet 2000;355:1481-1485
Elstein D et al; J Inherit Dis 2004;27:757-766
Germain DP; Clin Genet 2004;65:77-86
Heitner R et al.; Blood Cells Mol Dis 2002;28:127-133
Hollak CEM et al; Poster presented at Society for the study of Inborn Errors of Metabolism, Amsterdam 2004
Pastores GM et al; Semin Hematol 2004;41(Suppl. 5):4-14
Pastores GM et al; Clin Ther 2005;27:1215-1227
Wenstrup RJ et. al; Br J Radiol 2002;75 (Suppl. 1):A2-A12


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Redaktion:
Cramer-Gesundheits-Consulting
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