|
Berliner Schilddrüsensymposium: Schilddrüsenerkrankungen im Alter
Thema: Textarchiv - Schilddrüsen-Erkrankungen
Kategorie: Fachpresse
Veröffentlicht am: Samstag, 6. November 2004
Presseanfragen bitte an: Susan Kirmse , Tel. 0 61 96 - 77 66 - 116
Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten.
Berlin. „Bei progredienten Alterungsprozessen sollte eine Hypothyreose immer differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden“, erklärte Professor Karl-Michael Derwahl, Berlin, bei dem von Merck, Darmstadt, unterstützten 2. Haupstadt-Symposium „Schilddrüse und Alter: Alter – Altern – Anti-Aging“ am 6. November 2004 in Berlin. Bei der Hypothyreose im Alter komme es häufig zu neuropsychiatrischen und neuropsychologischen Defiziten sowie zur Störung komplexer kognitiver Funktionen. Diese könnten auch Zeichen normaler Alterserscheinungen sein.
Eine Therapie der Hypothyreose, so Derwahl weiter, beeinflusse die Progredienz der Arteriosklerose positiv und bessere unmittelbar die kardiale und neuropsychologische Leistungsfähigkeit im Alter. Darüber hinaus habe sie einen positiven therapeutischen Einfluss auf depressive Störungen und Erkrankungen. Aufgrund der hohen Prävalenz der koronaren Herzkrankheit im Alter werde mit einer Levothyroxin (Euthyrox®)-Dosis von 25 µg/Tag begonnen, die alle vier bis acht Wochen um 12,5 bis 25 µg/Tag gesteigert werde. Bei ausgeprägter Hypothyreose mit leeren T3-Speichern, ergänzte Dr. Blanca Lüdecke, Berlin, könne eine hohe Dosierung von Levothyroxin auch intravenös erfolgen, ohne relevante koronare Auswirkungen zu haben.
Derwahl warnte jedoch ausdrücklich vor einem ungezielten Einsatz von Schilddrüsenhormonen in der Anti-Aging-Medizin und zur Gewichtsreduktion, da bei euthyreoter Stoffwechsellage eine höher dosierte Schilddrüsenhormongabe zu kardialen Nebenwirkungen führen könne.
Hyperthyreose – gefährlich fürs Herz
„Das Herz ist“, so Professor George Kahaly, Mainz, „als Zielorgan der Schilddrüsenhormonwirkung in besonderem Maße von Störungen der Schilddrüsenfunktion betroffen“. Bei älteren Patienten müsse daher eine Hyperthyreose frühzeitig diagnostiziert und therapiert werden. Bei allen Patienten mit Vorhofflimmern (dies ist bei jedem zweiten Patienten mit Hyperthyreose über 70 Jahre nachweisbar) sei generell eine Bestimmung des basalen TSH zu empfehlen. Bestand vor der Hyperthyreose noch kei-ne Herzerkrankung, komme es in der Regel nach Erreichen einer Euthyreose wieder zur Normalisierung der Herzfunktion.
Radiojodtherapie – geringes Risiko für ältere Patienten
„Die Häufigkeit von knotigen Veränderungen in der Schilddrüse nimmt mit zunehmendem Alter praktisch linear zu“, so Professor Christoph Reiners, Würzburg. Bei 45 Prozent der über 55-jährigen Frauen und 33 Prozent der Männer dieser Altersgruppe seien Knoten zu finden. In etwa 20 Pro-zent der Fälle seien diese funktionell autonom. Hier biete sich vor allem bei älteren Patienten die nebenwirkungsarme Radiojodtherapie an, die in etwa 90 Prozent der Fälle zur Beseitigung der Hyperthyreose führe. Uner-lässlich bei der Vorbereitung seien hierbei, so Dr. Markus Luster, Würzburg, eine individuelle Dosisabschätzung und ggf. eine Feinnadelpunktion suspekter kalter Knoten.
Operationen ab dem 65. Lebensjahr –
Thromboseprophylaxe empfehlenswert
„Als Indikationen für eine Operation stehen mit zunehmenden Alter“, so Professor Peter E. Goretzki, Neuss, „mechanische Problematiken bei großer Struma oder Strumarezidiv und ein Malignitätsverdacht bzw. –nachweis im Vordergrund.“ Bei Patienten, die älter als 65 Jahre sind, seien häufiger aggressivere bösartige Tumoren zu beobachten als bei Jün-geren. Präoperativ müsse bei älteren Patienten vor allem die kardiale Situation abgeklärt werden, wenn die Alternative einer Radiojod- oder konservativen Therapie gegeben ist. Goretzki empfiehlt bei Patienten über dem 65. Lebensjahr nach Schilddrüsenoperationen generell eine Thromboseprophylaxe mit niedrig molekularem Heparin vorzunehmen, um einer postoperativen Lungenembolie vorzubeugen.
3.718 Zeichen (mit Leerzeichen, ohne Überschrift)
Redaktion:
Cramer-Gesundheits-Consulting
Postfach 11 07
65741 Eschborn
Zurück zur Übersicht | Themenauswahl | Druckerfreundliche Version | Hilfe zum Speichern
|