|
Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenkrankheiten - Vermeidbare Fehler
Thema: Textarchiv - Schilddrüsen-Erkrankungen
Kategorie: Fachpresse
Veröffentlicht am: Samstag, 14. Februar 2004
Presseanfragen bitte an: Susan Kirmse , Tel. 06196-7766-116
Abdruck honorarfrei, Belegexemplar erbeten.
Essen. „Alle Schilddrüsenknoten größer als ein Zentimeter sollten szintigraphisch abgeklärt werden", forderte Privatdozentin Karin Frank-Raue, Heidelberg, beim diesjährigen Essener Schilddrüsengespräch am 14. Februar 2004. Bei der traditionell von Merck, Darmstadt, unterstützen Fortbildungsveranstaltung wurden unter der Leitung von Professor Klaus Mann und Privatdozent Onno E. Janßen, Essen, vermeidbare Fehler bei der Diagnose und Therapie verschiedener Schilddrüsenkrankheiten diskutiert und an Fallbeispielen erläutert.
Bei Erstvorstellung: TSH und freies Thyroxin
„Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung sollte bei der Erstvorstellung TSH und freies Thyroxin bestimmt werden“, empfahl Privatdozent Otto E. Janßen, Essen, bei der Veranstaltung. Ein normales TSH schließe im Regelfall eine Über- oder Unterfunktion aus. Bei verändertem TSH zeige das freie Thyroxin die Art der Funktionsstörung an. Die größte Fehlerquelle biete die Beurteilung der Schilddrüsenhormonwerte ohne Berücksichtigung der Klinik. Als klassisches Beispiel führte Janßen die Hypothyreose bei Hypophysenvorderlappeninsuffizienz an, bei der niedrige Schilddrüsenhormonwerte mit inadäquat niedrigen oder nicht nachweisbarem TSH gemessen werden. Bei Fehlinterpretation oder alleiniger Messung von TSH seien solche Patienten durchaus schon thyreostatisch behandelt worden. „Auch seltene Syndrome können zu Fehlern führen“, ergänzte Janßen. So fänden sich bei der Schilddrüsenhormonresistenz erhöhte Thyroxin- und Trijodthyroninspiegel bei inadäquat hoch-normalem oder erhöhtem TSH. Klinisch bestehe insgesamt eine Hypothyreose. Da häufig eine Tachykardie bestehe, würden diese Patienten nicht selten thyreostatisch behandelt, obwohl eine Thyroxinsubstitution (z.B. Euthyrox) unter Betablockerschutz indiziert wäre.
Fortgeschrittene Tumore als
Zufallsbefund vermeiden
Als vermeidbare Fehler bei der Diagnose und Therapie von Knotenstrumen führte Privatdozentin Karin Frank-Raue, Heidelberg, die unzureichende Abklärung der Funktionalität eines Knotens (fehlendes Szintigramm) und Einleitung einer Therapie bei noch kompensiertem autonomem Adenom an. Die aus Patientensicht wichtigste Frage sei die Dignität der Knoten, so die Expertin. Um fortgeschrittene Tumore als intraoperative Zufallsbefunde zu vermeiden, empfiehlt Frank-Raue, Knoten größer als ein Zentimeter szintigraphisch abzuklären. Ergänzend könne heute durch die Calcitoninbestimmung das medulläre Schilddrüsenkarzinom frühzeitig entdeckt werden. Calcitoninspiegel basal über 20 pg/ml seien richtungsweisend und sollten durch einen Pentagastrintest abgesichert werden.
Ursache der Hyperthyreose
bei Therapie beachten
Professor Wieland Meng, Greifswald, bemängelte, dass bei der Therapie der Hyperthyreose die Ursache oft nur unzureichend berücksichtigt werde. Nur beim M. Basedow, der zur Remission neige, sei eine thyreostatische Langzeittherapie sinnvoll. Bei einer Autonomie sowie einer Thyreoiditis seien Thyreostatika nicht angezeigt. Die Schilddrüsenfunktion könne mit relativ niedrigen Dosen normalisiert werden. Hohe Dosen führten zu keinen besseren Langzeitergebnissen. Um hypothyreote Phasen und die strumigene Wirkung der Thyreostatika zu vermeiden, könne mit Erreichen der Euthyreose Levothyroxin (z.B. Euthyrox) simultan verordnet werden. Häufig seien außerdem unnötige Laborkontrollen zu beobachten. TSH-Bestimmungen seien erst bei Erreichen der Euthyreose sinnvoll. TPO-AK und die Szintigrafie seien zur Kontrolle nicht erforderlich.
Schilddrüsenkarzinome
in Spezial-Praxen oder -Kliniken betreuen
„Patienten mit Schilddrüsenkarzinom sollten in spezialisierten Praxen oder Kliniken betreut werden“, forderte Professor Andreas Bockisch, Essen. Wegen der geringen Inzidenz seien die meisten Ärzte nur wenig mit der Schilddrüsenkarzinom-Nachsorge befasst. Darüber hinaus sei der individuelle Lernerfolg für den therapierenden Arzt wegen der überwiegend guten Prognose und dem oft langsamen Prozess limitiert. Als typische Fehler bei der Nachsorge von Schilddrüsenkarzinomen beschreibt Bockisch die Sonographie mit unzureichendem Gerät und unzureichender Erfahrung, eine Unterlassung von Wiederfindungstest und Tg-AK-Bestimmung bei Bestimmung des Tumormarkers sowie zu spätes Absetzen der Schilddrüsenhormonmedikation oder eine Jodkontamination bei der Radiojoddiagnostik. Häufigste Fehler bei der Therapie seien fehlerhafte Dosierungen der Schilddrüsenhormon-Medikation sowie eine unangemessen hektische Reaktion auf Einzelbefunde außerhalb der Norm.
4.535 Zeichen (mit Leerzeichen, ohne Überschrift)
Redaktion:
Cramer-Gesundheits-Consulting
Postfach 11 07
65741 Eschborn
Zurück zur Übersicht | Themenauswahl | Druckerfreundliche Version | Hilfe zum Speichern
|