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Schilddrüse und Arzneimitteltherapie - Probleme und offene Fragen
Thema: Textarchiv - Schilddrüsen-Erkrankungen
Kategorie: Fachpresse
Veröffentlicht am: Samstag, 20. März 2004
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Wiesbaden. „Bei jeder Schilddrüsenfunktionsstörung muss nach einer iatrogenen oder sonstigen Exposition durch jodhaltige Medikamente und Substanzen gefahndet werden“, forderte Professor Bernhard Leisner, Hamburg, beim diesjährigen Wiesbadener Schilddrüsen-Symposium am 20. März 2004. Bei der traditionell von Merck, Darmstadt, unterstützen Fortbildungsveranstaltung wurden unter der Leitung von Professor Karl-Michael Derwahl, Berlin, und Professor Jörg Spitz, Wiesbaden, Probleme und offene Fragen zur Schilddrüsentherapie diskutiert und an Fallbeispielen erläutert.
Häufige Probleme bei der Arzneimitteltherapie
„Die Kenntnis von Alter, Begleiterkrankungen, Medikamenteneinnahme und physiologischen Sondersituationen wie Schwangerschaft oder Diät ist eine entscheidende Voraussetzung für die Interpretation von Schilddrüsenhormonkonzentrationen im Blut“, erklärte Professor Rainer Hehrmann, Stuttgart, im Rahmen des diesjährigen Wiesbadener Schilddrüsen-Symposiums. Ein Labor könne daher eine korrekte Befundung nur dann abgeben, wenn es über diese Informationen verfüge. Bei Therapie mit Schilddrüsenhormonen wie Euthyrox®; sei außerdem zu beachten, dass die Absorption des Hormons durch verschiedene Medikamente wie z.B. Cholestyramin oder Eisensulfat gehemmt werde. Daher sollten Schilddrüsenhormone nicht zusammen mit solchen Medikamenten und am besten morgens nüchtern eingenommen werden.
„Eine Reihe von Substanzen hat nicht nur Einfluss auf die Hormonkonzentration in vitro, sondern führt zu echten Änderungen der Funktionslage, die erheblichen Krankheitswert erlangen können“, führte Professor Bernhard Leisner, Hamburg, weiter aus. Jodexzess aus verschiedenen Quellen sei nach wie vor Hauptursache von exogen bedingten Funktionsstörungen. So könnten z.B. Röntgenkontrastmittel oder Amiodaron zu einer ausgeprägten Hyperthyreose führen. Als nahezu unbekannte Jodquelle verwies Leisner auf den roten Farbstoff Erythrosin, der als Kapselfarbstoff in der Pharmazie (E 127) und in der Nahrungsmittelindustrie Verwendung finde. „Ein Kropf kann zu Depressionen führen, aber auch eine Depression zum Kropf“, führte Leisner weiter aus. Das bei der Therapie depressiver Störungen eingesetzte Lithium hemme den thyreoidalen Jodidtransport und die Freisetzung von T4 und T3.
„Die Interferon-alpha-Behandlung bei chronischer Virushepatitis C und bei Tumorerkrankungen ist mit einem erhöhten Risiko der Induktion/Verschlechte-rung von Autoimmunthyreopathien assoziiert“ und „zu den Medikamenten, die in mannigfaltiger Weise auf das Endokrinium einwirken, gehören die Antikonvulsiva“, stellten PD Dr. Harald Rau und Dr. Rainer Görges fest, beide im Team von Professor Spitz, Wiesbaden. Sie demonstrierten die klinische Relevanz dieser Aussagen anhand von Fallbeispielen aus ihrer Praxis. Durch eine Interferon-alpha-Behandlung seien besonders Frauen und Personen mit erhöhten TPO-Antikörpern gefährdet, so Rau. Antikonvulsiva, erläuterte Görges, könnten Funktionsstörungen der Schilddrüse vortäuschen. Deshalb seien bei der Bewertung des tatsächlichen Schilddrüsenstatus zusätzlich zu den Schilddrüsenfunktionsparametern unbedingt auch Klinik und Schilddrüsenszintigraphie zu berücksichtigen.
Offene Fragen der Schilddrüsentherapie
„Auch nach Beseitigung der endemischen Struma durch gute Jodversorgung der Bevölkerung bleiben Schilddrüsenknoten die häufigsten endokrinen Tumore“, erklärte Professor Karl-Michael Derwahl, Berlin. Die Entwicklung der Knoten sei altersabhängig
und werde durch eine genetische Disposition sowie exogene Risikofaktoren beeinflusst. Eine ausreichende Jodversorgung führe jedoch zu einer vorübergehenden Zunahme der Hyperthyreosen vom Autonomietyp. Mittel- und langfristig würden diese Hyperthyreosen aber immer seltener. Dagegen sei eine Zunahme des Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis zu erwarten, da es bei genetischer Disposition durch eine verbesserte Jodversorgung zu einem Anstieg der Schilddrüsenautoantikörper als Ausdruck einer veränderten Autoimmunität komme.
„Eine Substitution mit 200 µg Selen pro Tag kann die Aktivität einer Autoimmunthyreoiditis signifikant reduzieren und die Lebensqualität der Patienten verbessern“, erläuterte Professor Roland Gärtner, München, abschließend in seinem Vortrag über die klinische Relevanz neuer Therapieverfahren. Darüber hinaus sei es sinnvoll, Strumapatienten mit einem Ferritinspiegel < 30 µg/l neben Jod auch Eisen zu substituieren, da eine reine Jodidsubstitution wegen der verminderten TPO-Aktivität und damit eingeschränkten Schilddrüsenhormonsynthese nicht wirksam sei. Bei schwer therapierbaren Hyperthyreosen verwies Gärtner auf L-Carnitin als adjuvante Therapie, da es in Dosen von 2-4 g pro Tag die periphere Schilddrüsenhormonwirkung hemme. Die typischen Hyperthyreose-Beschwerden würden sich nach zweiwöchiger Therapie normalisieren.
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Redaktion:
Cramer-Gesundheits-Consulting
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