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1. Münchener Schilddrüsensymposium - Subklinische Funktionsstörungen - wann Screening, wann Therapie?
Thema: Textarchiv - Schilddrüsen-Erkrankungen
Kategorie: Fachpresse
Veröffentlicht am: Mittwoch, 9. Juli 2003
Presseanfragen bitte an: Susan Kirmse , Tel. 06196-7766-116
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München. Aufgrund der diskreten Ausprägung klinischer und laborchemischer Befunde werden subklinische Schilddrüsenfunktionsstörungen häufig nicht oder sehr spät erkannt. Beim Münchener Schilddrüsensymposium am 9. Juli, einer von Merck, Darmstadt, unterstützen Fortbildungsveranstaltung, referierten und diskutierten namhafte Experten unter der Leitung der Münchener Professoren Petra-Maria Schumm-Draeger und Klaus-Dieter Palitzsch über aktuelle Screening- und Therapieempfehlungen zur subklinischen Hypo- und Hyperthyreose.
Latente Hypothyreose -
Therapie empfohlen
"Die Prävalenz der subklinischen Hypothyreose liegt zwischen drei und 16 Prozent, mit einer besonders hohen Prävalenz bei Frauen über 60 Jahren. Die Symptome können sehr diffus und unspezifisch sein und werden daher beim einzelnen Patienten oft übersehen", so Prof. Jean-Jacques Staub, Basel, beim Münchener Symposium. Er wies außerdem darauf hin, dass die subklinische Hypothyreose einen Risikofaktor für Atherosklerose und kardiovaskuläre Erkrankungen darstelle. Eine Metaanalyse von 13 Studien (2000) habe eine leichtgradige Senkung des totalen Cholesterins durch eine Therapie mit Schilddrüsenhormon zeigen können. Die 'Basel Thyroid Study', die erste randomisierte Interventionsstudie mit einem Gesamtkollektiv von mehr als 60 Patienten mit subklinischer Hypothyreose, habe darüber hinaus unter Levothyroxin eine signifikante Senkung des totalen Cholesterins und des atherogenen LDL-Cholesterins belegt. Es sei für das ganze Kollektiv eine Abnahme der kardiovaskulären Mortalität von 17 Prozent berechnet worden.
"Verschiedene Studien lassen außerdem vermuten", so Dr. Tom Bschor, Dresden, "dass die subklinische Hypothyreose auch mit neuropsychiatrischen Symptomen verbunden ist." Bei Patienten, die wegen einer depressiven Erkrankung psychiatrisch behandelt wurden, sei in zwölf systematischen Studien bei 4 bis 40 Prozent eine subklinische Hypothyreose gefunden worden. In einer systematischen anamnestischen Untersuchung zeigte sich bei Personen mit subklinischer Hypothyreose in 56 Prozent eine depressive Störung in der Vorgeschichte. Daher, so Boschor, sei es wichtig, bei subklinischen Funktionsstörungen gezielt nach den häufigsten psychischen Symptomen zu fragen bzw. beim Vorliegen einer manifesten psychiatrischen Erkrankung die Schilddrüsenstoffwechsellage zu untersuchen und gegebenenfalls zu therapieren.
Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger, München, hält bei Menschen über 45 Jahren ein regelmäßiges TSH-Screening für sinnvoll. Vor allem bei Schwangeren, Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, ovulatorischer Dysfunktion bzw. Infertilität, im Klimakterium sowie bei älteren Menschen mit entsprechender Symptomatik sei ein TSH-Screening dringend zu empfehlen. Ab einem Serum-TSH von 4 µU/l und bei einem positiven Nachweis von Anti-TPO-Antikörpern solle eine subklinische Hypothyreose mit Levothyroxin (z.B. Euthyrox(R)) therapiert werden, so die Expertin weiter. Experimentelle und erste klinische Studien zeigten außerdem, dass bei Autoimmunthyreoiditis eine frühzeitige Therapie mit Schilddrüsenhormonen schon bei noch euthyreoter Stoffwechsellage einen hemmenden Effekt auf das Fortschreiten des Autoimmunprozesses habe. Durch eine einjährige Schilddrüsenhormon-Therapie nähmen die Anti-TPO-Antikörper-Titer sowie die intrathyreoidalen B-lymphozytären Elemente signifikant ab.
Latente Hyperthyreose -
Kontrolle angezeigt
"Die derzeitige - nur auf wenigen prospektiven Studien mit mittlerem Evidenzgrad bestehende - Datenlage spricht dafür, dass die subklinische Hyperthyreose mit einem erhöhten kardialen Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko einhergeht", erklärte Prof. Klaus Mann, Essen. Bei postmenopausalen Frauen sei außerdem ein höheres Osteoponie-Risiko zu beobachten. Auch neuropsychologische Symptome wie Nervosität und Befindlichkeitsstörungen seien beschrieben. So habe z.B. die 'Rotterdam-Studie' gezeigt, dass nach zwei Jahren das Risiko für Demenz und für Morbus Alzheimer signifikant erhöht sei. Aufgrund der derzeitigen Datenlage, so Mann, sei bei einem Patienten mit erniedrigtem TSH bei normalem freien T4, ohne Allgemeinerkrankung, ohne die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigenden Medikamente, ohne Struma, ohne Knoten, ohne klinische Symptomatik eine sofortige Therapie nicht erforderlich.
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Redaktion:
Cramer-Gesundheits-Consulting
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