21. Wiesbadener Schilddrüsengespräch: Aktuelle Konzepte zur Therapie von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse

Thema: Textarchiv - Schilddrüsen-Erkrankungen
Kategorie: Fachpresse
Veröffentlicht am: Samstag, 22. März 2003
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Wiesbaden. Soll eine Hashimoto-Thyreoiditis bereits bei euthyreoter Stoffwechsellage therapiert werden? Beeinflusst eine Selen-Gabe die Entwicklung der Autoimmunthyreoiditis günstig? Können Immunmodulatoren die Behandlung der endokrinen Orbitopathie optimieren? Namhafte Experten aus ganz Deutschland referierten und diskutierten beim diesjährigen Wiesbadener Schilddrüsengespräch am 22. März aktuelle Konzepte zur Therapie von Autoimmunkrankheiten der Schilddrüse. Die wissenschaftliche Leitung der traditionell von Merck, Darmstadt, unterstützten Fortbildungsveranstaltung hatten Professor Karl-Michael Derwahl, Berlin, und Professor Lothar-Andreas Hotze, Mainz-Kastel.

Latente Hypothyreose - wann therapieren?

"Ab einem Serum-TSH von 4 µU/l und bei einem positiven Nachweis von Anti-TPO-Antikörpern, sollte eine subklinische Hypothyreose mit Levothyroxin (z.B. Euthyrox ®) therapiert werden", erklärte Professor Petra-Maria Schumm-Draeger, München, im Rahmen des diesjährigen Wiesbadener Schilddrüsengesprächs. Die Bestimmung der Anti-TPO-Antikörper sei wichtig, da 50 bis 80 Prozent der Hypothyreosen autoimmun bedingt seien. Experimentelle und erste klinische Studien zeigten außerdem, so Schumm-Draeger, dass bei Autoimmunthyreoiditis eine frühzeitige Therapie mit Schilddrüsenhormonen schon bei noch euthyreoter Stoffwechsellage einen hemmenden Effekt auf das Fortschreiten des Autoimmunprozesses habe. Durch eine einjährige Schilddrüsenhormon-Therapie nähmen die Anti-TPO-Antikörper-Titer sowie die intrathyreoidalen B-lymphozytären Elemente signifikant ab.

"Im Allgemeinen wird bei latenter Hypothyreose mit einer Substitution von 50 µg Levothyroxin (z.B. Euthyrox®) begonnen", führte Professor Karl-Michael Derwahl, Berlin, weiter aus. Zu beachten: In der Schwangerschaft sowie unter einer Östrogentherapie müsse die Dosis entsprechend erhöht werden, da es zu einem Abfall des freien T4 und einem konsekutiven Anstieg des TSH-Spiegels komme.

Die weltweite Prävalenz der subklinischen Hypothyreose liegt zwischen ein und zehn Prozent. Die höchsten alters- und geschlechtsspezifischen Raten werden bei älteren Frauen (über 60 Jahre) mit bis zu 20 Prozent angegeben. Aufgrund des asymptomatischen oder milde ausgeprägten klinischen Erscheinungsbildes der subklinischen Hypothyreose werden immer wieder routinemäßige Screening-Untersuchungen der Bevölkerung gefordert. Schumm-Draeger und Derwahl empfehlen ein TSH-Screening bei Schwangeren, Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, ovulatorischer Dysfunktion bzw. Infertilität, im Klimakterium sowie bei älteren Menschen mit entsprechender Symptomatik.

Morbus Basedow und Endokrine Orbitopathie -
Neue Therapieansätze

"Eine adäquate, am individuellen Verlauf orientierte Therapie des Morbus Basedow und der endokrinen Orbitopathie (EO) gestaltet sich oft schwierig und sollte von einem interdisziplinären Ärzteteam gesteuert werden", erklärte Professor Armin Heufelder, München. Zusätzlich zur konservativen Therapie könne angesichts neuer Erkenntnisse über die Bedeutung von oxidativem Stress und die günstige Wirkung einer Selen-Substitution bei Hashimoto-Thyreoiditis prophylaktisch und therapeutisch die Gabe von Selen (z.B. Natriumselenit 200 mcg/Tag) und antioxidativer Wirkstoffe (z.B. Vitamin C, E, N-Acetylcystein, Alpha-Liponsäure) erwogen werden. Eine solche antioxidative und entzündungshemmende Therapie sei exzellent verträglich und ohne nennenswerte Nebenwirkungen, könne im Sinne der Evidenz-basierten Medizin aber noch nicht als gesicherter Therapieansatz gelten. Professor George Kahaly aus Mainz ergänzte weitere neue Ansätze zur Therapie der EO, deren Wirksamkeit ebenfalls in klinischen Studien noch erprobt werden muss. So scheine z.B. der Blutplättchen-Aggregationsinhibitor Ticlopidine ähnlich erfolgreich zu sein wie die Glukokortikoidtherapie. Ein weiterer vielversprechender Ansatz sei die spezifische medikamentöse Hemmung von Zytokinen, die bei der EO gebildet werden und die entzündlichen Gewebsreaktionen bewirken.

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Redaktion:
Cramer-Gesundheits-Consulting
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