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AMNOG: neue Antibiotika – hohe Preise bitte!

| | Gesundheitspolitik

© dondoc-foto – Fotolia.com_03-01-2013

Der vfa beschreibt auf seiner Homepage sehr sachlich den Stand der Entwicklung neuer Antibiotika und die Historie der vorhandenen Mittel. Die Resistenzproblematik bis hin zum Extrem der MRSA- Keime  wird erläutert und die Notwendigkeit der  stetigen Entwicklung neuer Antibiotika im Wettlauf mit der Anpassung der Problemkeime dargelegt (http://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/neue-antibiotika-den-vorsprung-wahren.html). Spannend wird hierzu die Einschätzung des GBA/IQWIG sein: Welche neuen  Antibiotika werden als Innovationen betrachtet werden?

Der Zusatznutzen kann bei einem neuen Antibiotikum kaum klarer bezeugt werden, als dadurch, dass es  bisher resistente Keime wirksam bekämpft. Diesen Zusatznutzen mittels Vergleichsstudien gegen „Cotrim und Co.“ beweisen zu wollen,  wäre definitiv unsachlich und …. unethisch. Die Bewertung  gegen die preisgünstigste, wirksame „Vergleichs“-medikation, also die übliche AMNOG- Anwendungspraxis, wäre an dieser Stelle absurd, jedoch durchaus vorstellbar.

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Man könnte argumentieren, dass „Cotrim und Co.“ (als Stellvertreter für alte und preiswerte Antibiotika,  gegen die zunehmend Resistenzen entstehen) nicht immer wirkungslos seien. Vergleicht man bei Indikationen mit großen Fallzahlen die Wirksamkeit von alten  gegen neue Antibiotika, werden „Cotrim und Co.“ (noch) oft  genug wirksam sein. Ich kann mir sehr gut die statistische IQWiG- Analyse vorstellen, die zu dem Urteil kommt: „- „Cotrim und Co.“  wirken in 70% der analysierten Fälle noch“. Somit ergibt sich zwar ein Zusatznutzen für eine Antibiotikainnovation, doch der Preis muss sich an „Cotrim und Co.“ orientieren. Das würde –  staatliche EU-Förderung hin oder her –  das Ende der Investition in die Antibiotikaforschung bedeuten. 

Schon jetzt weist der vfa darauf hin, dass die Investitionen in Antiinfektiva nicht wirtschaftlich seien. Denn innovative Antibiotika sind per medizinisch/mikrobieller Definition dem Reserveeinsatz vorbehalten.  Ein breiter Absatz findet folglich nicht statt.

 Die  Konsequenz –  Preise für Antibiotika- Innovationen müssen  hoch sein.

Zum einen müssen die Preise für neue Antibiotika möglichst hoch angesetzt werden, damit für die forschende Seite der Return on Investment (ROI) gegeben ist.  Zur Erinnerung: Ohne einen ROI gibt es in der Marktwirtschaft keine Innovationen, „es muss sich halten rechnen“ wie ein schwäbischer Finanzminister sagen würde. Zum andern überdenkt der gemeine Arzt den Einsatz eines sehr teuren Reserveantibiotikums mit Rücksicht auf sein Praxisbudget sehr sorgfältig. Und genau das ist im Sinne des Erfinders, denn Reserveantibiotika sind wie der Name schon sagt eine Reserve für medizinische Not- und Spezialfälle, deren Wirksamkeit nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden sollte. Ob die Krankenkassen und Gesundheitspolitiker das verstehen (wollen)?  Nicht unbedingt.

Nur wenn diese Zusammenhänge (Medical Need, Forschung, ROI, Steuerung des reservierten Einsatzes durch den Preis) in der Öffentlichkeit mit Ausdauer bekannt gemacht und diskutiert würden, würden diese aufgrund der Sachlage auch anerkannt. Dann  hätten es die Weichensteller im Gesundheitswesen schwer, die vfa- Argumentationskette auszuklammern. Ich bin tatsächlich optimistisch, dass sich eine klare Beweislage letztendlich nicht ignorieren lässt. Das Werkzeug, um dieses Ziel zu erreichen ist ….. sachliche Public Relations mit Ausdauer – Was sonst?.  Ich wünsche dem vfa viel Erfolg.

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